Auf der Deponie des WZV in Damsdorf/Tensfeld ist es aktuell ruhig geworden. Zuletzt wurden dort nur noch geringe Mengen Abfall eingebaut, weil die Deponiekapazität annähernd erschöpft ist. Im vorderen Bereich läuft der Betrieb auf dem Recyclinghof wie gewohnt weiter, können die Kunden ganz normal ihre Abfälle entsorgen. Die Abfallsammelfahrzeuge liefern nur noch zu Revisions- und Ausfallzeiten der Verwertungsanlagen in das genehmigte Zwischenlager auf der Deponie an. Eine Ablagerung von Abfällen findet derzeit nicht statt. Auch das, was auf dem Recyclinghof abgegeben wird, geht den Weg der Verwertung bzw. der externen Entsorgung.

Eine freut sich über die Ruhe, weil sie ihr die Arbeit erleichtert. Diplom-Biologin Maike Freund aus Kiel ist derzeit mit einer sogenannten faunistischen Kartierung der Deponie beschäftigt.
Das bedeutet, dass über einen Zeitraum von mehreren Monaten genau erfasst wird, welche Arten sich auf dem Gelände über die Jahre angesiedelt haben. Denn wer denkt, eine Deponie ist eine relativ tote Fläche mit Bergen von Abfall oder mit Folie bedeckten Arealen, der irrt. In Senken, in denen sich stehendes Gewässer gesammelt hat, sind zum Beispiel Teichmolche und Kammmolche heimisch geworden. Letztere stehen sogar auf der Europäischen Artenschutzliste und sind daher streng geschützt. Singvögel wie die Goldammer oder der Gelbspötter brüten in den Knickflächen, die sich am Rande der Deponie entlang ziehen. Pionierarten wie die Kreuzkröte siedeln sich auf Kiesflächen an und in den zahlreichen, künstlich angelegten Klär- und Schönungsteichen finden sich vielfältige Insekten- und Amphibienarten.
Viele Vor-Ort-Termine zu verschiedenen Tageszeiten sind notwendig, um eine Verträglichkeitsprüfung gemäß Fauna-Flora-Habitat Richtlinie des Bundesnaturschutzgesetzes durchzuführen. Ausgerüstet mit Feldstecher und verschiedenen, speziellen Lebendfallen, die eine schonende Möglichkeit, Amphibien zu erfassen bieten, erstellt Maike Freund eine Übersicht der tierischen Bewohner der Deponie im Frühjahr und den Sommermonaten. Am Ende stehen eine Aufstellung der schützenswerten Arten und ein entsprechender Maßnahmenkatalog. Damit kann geplant werden, in welchem Umfang durch den WZV zum Beispiel die Umsiedelung von Amphibien geleistet werden muss, wenn auf der Deponie bauliche Veränderungen vorgenommen werden sollen.
Freund betont aber: “ Durch die Öffentlichkeit gehen häufig Anekdoten, dass große Bauprojekte aufgrund des Fundes einzelner, seltener Arten komplett gestoppt werden. Dabei sind wir in der Praxis sehr darauf bedacht, in einer sinnvollen und mit den Bauträgern abgestimmten und dem Umfang nach angemessenen Weise dem Naturschutz gerecht zu werden. Sonst leisten wir uns einen Bärendienst, weil wir nicht mehr ernst genommen werden.“

Beauftragt hat WZV-Verbandsvorsteher Peter Axmann das Gutachten aber nicht nur, weil sich das Entsorgungsunternehmen seit Jahren auch Naturschutz und Umweltbildung in der Region auf die Fahne geschrieben hat. Denn die Deponie soll noch über einige Jahre weiter betrieben werden. Um eine langfristige Entsorgungssicherheit für den Kreis Segeberg sicherzustellen und den Deponiestandort zu sichern, muss der WZV daher ein Planfeststellungsverfahren durchführen. An dessen Ende soll eine Genehmigung für den weiteren Einbau von Abfällen stehen. Diese sollen ohne weiteren Flächenverbrauch als Erhöhung des vorhandenen Deponiekörpers aufgebracht werden. Die umfangreichen Arbeiten von Maike Freund sind dabei nur ein einzelner Bestandteil von zahlreichen Gutachten und Betrachtungen, die für die Genehmigung des Weiterbetriebs erforderlich sind. So muss unter anderem auch die Raumbedeutsamkeit des Vorhabens geprüft werden und die Auswirkungen hinsichtlich Lärm- und Emissionsbelastung für die umliegenden Gemeinden sind fachlich zu bewerten.

Peter Axmann ist sich sicher, dass sich der Aufwand lohnt: “ Die Deponie ist ein wichtiger Betriebszweig des WZV. Sie aktuell für immer zu schließen würde keinen Sinn machen. Wir möchten auch in den nächsten Jahren den Standort und damit die Entsorgungssicherheit für die Region erhalten. Nebenbei ergibt sich auch ein wirtschaftlicher Vorteil für unsere Entgeltzahler.“

Bildunterschrift:
Fündig geworden: Maike Freund begutachtet junge Teichmolche.