Vom Bausatz zum Nistkasten
Neue Behausungen für Dohle, Star und Waldkauz
Zum Auftakt der Naturschutzaktion 2016 vom Martin-Meiners-Förderverein für Jugend- und Umweltprojekte (MMFV) haben die „Schulis“ vom Evangelischen Kindergarten Südstadt in Bad Segeberg gehämmert und geschraubt. Mit Feuereifer haben sie drei große Dohlenkästen mit Hilfe von Alia Zentel, die beim MMFV ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, zusammengebaut. Die fertigen Kästen müssen in sechs Metern Höhe angebracht werden. Da muss der Hausmeister ran; er wird sie in dem alten Baumbestand auf dem Kita-Gelände aufhängen.

48 Kindertagestätten und 12 Grundschulen aus dem Kreis Segeberg sind der Einladung des Martin-Meiners-Fördervereins (MMFV) gefolgt. In den nächsten Wochen gehören Akkuschrauber und Hammer zu ihren bevorzugten Werkzeugen. 150 Bausätze bringt Alia Zentel, zu den Teilnehmern, damit alle rechtzeitig zur Nistplatzsuche für die Dohlen bereit sind.

Bevor Rück- und Seitenwände, die Frontplatte mit Einflugloch und das Dach zusammengebaut werden, müssen die Kinder die Bauanleitung studieren. Bunte Zeichnungen zeigen ihnen, wie es Schritt für Schritt zum fertigen Dohlenkasten geht.
Aufgehängt in sechs Metern Höhe bietet der Nistkasten den Bewohnern dann genug Schutz vor Fressfeinden. Das Flugloch sollte nach Südosten ausgerichtet sein, um Regen und starkem Wind abzuhalten. Bunt bemalt mit Farbe, wird der Nistkasten zum Blickfang – nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Kinder. Sie können nun Jahr für Jahr beobachten, was sich in und um ihren Nistkasten tut.

Wahrscheinlich wird eine Dohle einziehen Aber auch andere Höhlenbrüter wie Star, Waldkauz und Hohltaube lieben diese Behausung. Ihre natürlichen Nistplätze sind durch den Abriss und die Sanierung alter Gebäude, durch das Fällen von Altholzbeständen und den Rückgang von Dauergrünland, verloren gegangen.
Dohlen bilden eine lebenslange Brutgemeinschaft. Gegen Ende des Winters suchen sie einen Nistplatz. Ihr Nest bauen sie aus fingerdicken Zweigen, Moos, Papier, Fell oder Dung. Von April bis Mai legt das Weibchen vier bis sechs bläuliche Eier, die dunkel gesprenkelt sind. Knapp drei Wochen brütet sie. Beide Eltern kümmern sich dann um die geschlüpften Jungtiere. Nach vier bis sechs Wochen verlassen die jungen Dohlen ihr Nest, bleiben aber noch mehrere Wochen in der Obhut ihrer Eltern.

Im Herbst muss der Kasten einmal gereinigt werden, in dem das Nistmaterial vollständig entfernt wird. Jetzt wird es noch einmal spannend für die Kinder. Wenn sie genau hinschauen, können sie am Nestbau und an den Schalenresten erkennen, welche Vogelart den Kasten bewohnt hat. Auch im Winter bleibt der Kasten nicht ungenutzt: er ist Schlafplatz für die Meisen und bietet Schutz vor Sturm und Schnee

„Mit unseren Nistkastenaktionen bringen wir Naturschutz und Naturerlebnisse für Kinder ganz konkret zusammen: Die heimische Vogelwelt wird geschützt und gleichzeitig entsteht ein von den Kindern selbst gebauter, belebter Nistkasten, der das ganze Jahr eine erlebnisreiche Beobachtungsstätte ist.“, so Hans Peter Sager, der sich besonders darüber freut, dass 20 Kindergärten und drei Schulen aus Norderstedt mitmachen.
Die Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holsteins, der Heimatverein Kreis Segeberg und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, ermöglichen mit ihren Spenden, dass die Bausätze für Schulen und Kindergärten kostenlos sind. Hergestellt haben sie Menschen mit Behinderungen, die in der Werkstatt der Brücke Schleswig-Holstein in Itzehoe arbeiten.


Fertig! Die Kinder aus der Igelgruppe der Schulis aus dem Kindergarten Südstadt in Bad Segeberg präsentieren stolz ihren selbstgebauten Dohlenkasten. Alia Zentel (hinten re) hat ihnen dabei geholfen